KölnMedien Studienreport 2026
Große Bilder wirken anders.
Was Forschung über Aufmerksamkeit, Erinnerung, subjektive Präsenz und Kaufverhalten tatsächlich zeigt.

Drei wissenschaftliche Arbeiten untersuchen unterschiedliche Teile einer möglichen Wirkungskette: reales Kaufverhalten bei Digital Signage, die Verarbeitung von Werbung auf 22 Zoll gegenüber 8 Zoll und den Einfluss der physischen Projektionsgröße auf das Erleben eines Films.
Studie 1
Digital Signage im realen Handel
Die Arbeit „In-Store Advertising with Digital Signage“ von Dennis Herhausen, David de Jong und Dhruv Grewal untersuchte zwischen 2018 und 2022 reales Kaufverhalten. In zehn Geschäften desselben Einzelhändlers waren jeweils fünf digitale Displays in stark frequentierten Hauptgängen installiert: insgesamt 50 Displays, 237 Kampagnen beziehungsweise Feldexperimente und 1.321 Verkaufstage.
Ein RFID-System erkannte Einkaufswagen in ungefähr fünf bis zehn Metern Entfernung und in Richtung des Displays. Es löste zufällig Video-Werbung mit gerichtetem Ton aus. Am Ende des Einkaufs wurde die Exposition über die Wagenkennung mit realen Kassendaten abgeglichen. Laut Studie wurden dabei keine personenbezogenen Kundendaten erhoben.

Warum die Rohdifferenz nicht verwendet wird
In einer einfachen Betrachtung lag die Kaufwahrscheinlichkeit der exponierten Gruppe rund 50 % höher. Dieser Wert ist für eine Werbeaussage ungeeignet, weil Personen mit längerer Aufenthaltsdauer zugleich häufiger einem Display begegnen und mehr kaufen können. Maßgeblich ist deshalb der modellierte Wert von 8,1 %.
Übertragung auf Messe und Event
Die Studie zeigt, dass professionell eingesetztes Digital Signage in einer realen Umgebung Verhalten messbar beeinflussen kann. Sie liefert keine Umsatzgarantie für LED-Flächen auf Messen, da Besuchsmotive, Aufenthaltsdauer, Produkte und Entscheidungssituationen deutlich abweichen.
Quelle: Herhausen, de Jong und Grewal (2026), DOI 10.1177/00222429251351578.
Studie 2
22 Zoll gegenüber 8 Zoll
Die Studie „Addressable TV Advertising Enhances Advertising Effectiveness“ von Sofia Gumilevskaya, Joseph Devlin, Daniel C. Richardson, Habiba Diab, Zutao Liu und Phoebe Casey-Miller untersuchte 2023 Zielgruppenpassung und Bildschirmgröße. 78 Personen – 39 Frauen und 39 Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren – wurden in Newcastle rekrutiert. Nach einem Hardwarefehler blieben 77 auswertbare Personen: 36 in der 22-Zoll-Gruppe und 41 in der 8-Zoll-Gruppe.
Die Teilnehmenden sahen 16 Werbespots von jeweils 30 Sekunden, eingebettet in Modern Family (49 Personen), Manifest (18) oder Riviera (10). Die Spot-Reihenfolge wurde randomisiert. Ein Empatica-E4-Armband erfasste Herzfrequenz und elektrodermale Aktivität. Zuvor diente ein 4 Minuten und 14 Sekunden langer David-Attenborough-Naturfilm über Kaiserpinguine als physiologische Basisphase. Der spätere Gedächtnistest fand für alle auf gleich großen Laptops statt.

| Messwert | 22 Zoll | 8 Zoll | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Wiedererkennung | 73,1 % | 69,5 % | 3,6 Prozentpunkte; Evidenz laut Autoren schwach |
| Reaktionszeit | 2.008 ms | 2.182 ms | stärkere Evidenz für schnellere Wiedererkennung |
| Herzfrequenz | im Mittel 2,7 bpm niedriger beim größeren Display | als Hinweis auf stärkere externe Fokussierung interpretiert | |
Quelle: Gumilevskaya et al. (2023), DOI 10.15388/omee.2023.14.98.
Studie 3
Physische Bildgröße und subjektive Presence
Troscianko, Meese und Hinde prüften, ob allein die reale physische Größe einer Projektion das subjektive Eintauchen in einen Film verändert. Gezeigt wurden die ersten etwa 45 Minuten von „The Good, the Bad and the Ugly“. In Experiment 1 nahmen 40 Personen, in Experiment 2 weitere 30 Personen teil.
Die große Projektion maß 1,50 × 1,125 Meter bei 2,61 Metern Abstand, die kleine 0,89 × 0,668 Meter bei 1,55 Metern Abstand. Dadurch blieb der Sehwinkel in beiden Bedingungen mit 32,9° × 24,7° nahezu identisch; auch die lokale Leuchtdichte wurde angeglichen. Die Darstellung erfolgte mit einem Sony-CX20-XGA-Projektor bei 1.024 × 768 Pixeln.
An 16 festgelegten Stellen bewerteten die Teilnehmenden auf einer 9,8 Zentimeter langen Skala, wie stark sie sich gerade „in der Geschichte“ fühlten. Acht Messpunkte lagen in Gesichtsszenen, acht in Landschafts- oder Ortsszenen. Gemessen wurde subjektive Presence beziehungsweise Immersion – weder Umsatz noch Kaufwahrscheinlichkeit oder pauschale Aufmerksamkeit.

| Experiment | Ergebnis | Grenze |
|---|---|---|
| Experiment 1, n = 40 | Signifikanter Größeneffekt. Gesichtsszenen: 66,02 groß vs. 47,76 klein. Landschaft: 60,48 vs. 39,66. | Zwischen-Gruppen-Vergleich mit 20 Personen je Bedingung. |
| Experiment 2, n = 30 | Ratings in gleicher Richtung, aber kein signifikanter Haupteffekt der Größe. | Auch Reaktionszeit und Pupillendilatation zeigten keinen signifikanten Größeneffekt. |
Einordnung für Medientechnik
Was sich ableiten lässt – und was nicht
Die drei Arbeiten bilden keine gemeinsame Metaanalyse und untersuchen weder dieselben Zielgruppen noch dieselben Medienumgebungen. Zusammen beschreiben sie drei verschiedene Ebenen: subjektive Präsenz, Aufmerksamkeit und Gedächtnis sowie reales Kaufverhalten in einem konkreten Handelssystem. Für eine Messe bleibt die Übertragung eine fachliche Hypothese. Sichtbarkeit, Betrachtungsabstand, Pixelpitch, Helligkeit, Kontrast, Bewegung, Content, Zielgruppe und Umgebung entscheiden gemeinsam über die Wirkung.

Belastbar
- Größere Displays können Aufmerksamkeit stärker binden.
- Erinnerung und Reaktionsgeschwindigkeit können profitieren.
- Digital Signage kann reales Kaufverhalten beeinflussen.
- Physische Bildgröße kann das subjektive Erleben verändern.
- Die Wirkung hängt von Größe, Inhalt, Platzierung, Entfernung und Kontext ab.
Nicht belastbar
- Pauschal 8,1 % mehr Umsatz durch größere LED-Wände.
- Pauschal 30–70 % mehr Aufmerksamkeit als allgemeine Garantie.
- Bildschirmgröße allein garantiert Verkaufserfolg.
- Verschiedene Studienwerte dürfen nicht addiert oder gleichgesetzt werden.
| Für die Praxis relevant | Konsequenz |
|---|---|
| Sichtachse | Die Bildfläche muss aus den Besucherströmen frei sichtbar sein. |
| Betrachtungsabstand | Pixelpitch, Bildhöhe und Detailgrad müssen zur realen Distanz passen. |
| Bewegung | Motion gezielt einsetzen; hektisches Dauerbewegtbild kann überfordern. |
| Content | Ein klarer visueller Gedanke ist wichtiger als Quadratmeterzahl allein. |
| Messbarkeit | Kontakt, Verweildauer, Lead-Rate und Interaktionen separat erfassen. |